Die neue Meisterprüfungsverordnung in greifbarer Nähe

Am 16. Mai 2019 fand nach fast 3-jähriger Erarbeitung der fachlichen Inhalte - auf Basis einer neuen Strukturvorgabe unter der Federführung des Verordnungsgebers - das letzte Sozialpartnergespräch statt, um den im Sommer 2018 eingereichten Verordnungsentwurf zur Meisterprüfung im Karosserie- und Fahrzeugbauer Handwerk zu finalisieren. Verzögert hat sich das Verfahren aufgrund einer nochmaligen Korrektur des Strukturentwurfs sowie einer ausgiebigen Prüfung der Rechtsförmlichkeit durch das Justizministerium.

Das Erlassverfahren wird voraussichtlich im Juli in die Wege geleitet, so dass im 3. Quartal mit der Veröffentlichung der Prüfungsverordnung gerechnet werden kann. Das Inkrafttreten der neuen Meisterprüfungsverordnung ist für den 1. Juli 2020 geplant. So bleibt für die Umsetzung der neuen Vorgaben durch den Meisterprüfungsausschüsse und die damit verbundenen Umstellungen bei den Vorbereitungslehrgängen genügend Zeit.

TEIL 1:

Meisterprüfungsprojekt: Die neue Verordnung orientiert sich wesentlich stärker am Arbeitsalltag und den betrieblichen Geschäftsprozessen als bisher. Auch bei der neuen Prüfungsverordnung hat der Prüfling in Teil I der Meisterprüfung die Wahlmöglichkeit aus den zwei vorgegebenen Meisterprüfungsprojekten, ein Prüfungsprojekt - was einem Kundenauftrag sowie seinem täglichen Arbeitsalltag entspricht - auszuwählen und dies zu bearbeiten.

Fachgespräch: Zusätzlich muss in Teil I ein auf das Meisterprüfungsprojekt bezogenes Fachgespräch geführt werden, wobei hier kein Abfragen von fachlichem Wissen oder auswendig Gelerntem gefordert ist. Viel mehr steht das Verstehen und Anwenden im Vordergrund, so dass der Prüfling sein Wissen potenziellen Kunden mit Lösungsansätzen verständlich vermitteln und erklären kann.

Situationsaufgabe: Des Weiteren muss der Prüfling in Teil I der Meisterprüfung, Themen die im Meisterprüfungsprojekt vernachlässigt wurden oder dort nicht relevant waren, in der Situationsaufgabe bearbeiten.

TEIL 2:

Fachtheoretische Kenntnisse:

Auch in Teil II der Meisterprüfung liegt der Fokus in der Handlungsorientierung. Hier soll der Prüfling Problemstellungen innerhalb von 3 Handlungsfeldern bearbeiten:

Handlungsfeld: „Anforderungen von Kunden eines Karosserie- und Fahrzeugbaubetriebs analysieren, Lösungen erarbeiten und anbieten“

Handlungsfeld: „Leistungen eines Karosserie- und Fahrzeugbaubetriebs erbringen, kontrollieren und übergeben“

Handlungsfeld: „Einen Karosserie- und Fahrzeugbaubetrieb führen und organisieren“

Durch die neue Meisterprüfungsverordnung werden angehende Karosserie- und Fahrzeugbaumeister noch zielgerichteter in die Lage versetzt, sich der technischen Weiterentwicklung von Fahrzeugen zu stellen.

Neue Werkstoffe und Reparaturtechniken, hochkomplexe Aggregate und neue Fahrwerkstechnik gepaart mit vernetzten Bauteilen und Systemen erlangen in modernen Fahrzeugen eine immer größere Bedeutung. Dies gilt gleichermaßen für Personenkraftwagen wie für Nutzfahrzeuge. Mit der neu erarbeiteten Meisterprüfungsverordnung können Gesellen im Karosserie- und Fahrzeugbauer Handwerk sich weiter qualifizieren und sind damit bestens für die Zukunft gerüstet.

Durch die Zuordnung im Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) mit dem Niveau 6 ist die Meisterprüfung gleichwertig zu dem hochschulischen Bachelor-Abschluss. Der Deutsche Qualifikationsrahmen ist ein Instrument zur Einordnung von Qualifikationen im deutschen Bildungssystem. Mit ihm wird das Ziel verfolgt, Transparenz, Vergleichbarkeit und Mobilität sowohl innerhalb Deutschlands als auch in der EU zu erhöhen.

In der neuen Meisterprüfungsverordnung müssen sich alle Beteiligten den Herausforderungen stellen und sich umorientieren. So müssen Bildungseinrichtungen, die Vorbereitungslehrgänge anbieten, ihr Augenmerk vermehrt bei der Lehrstoffvermittlung auf komplexe Arbeitsprozesse in den Kursen richten.

Der Prüfungsausschuss muss die Handlungsorientierung und den Kundenauftrag in die Aufgabenstellungen der Prüfung integrieren. Damit dies gelingt, bietet der ZKF in ausgewählten Standorten Schulungen für Prüfungsausschüsse im Karosserie- und Fahrzeugbauer-Handwerk an, die im Dezember 2019 und im Januar 2020 stattfinden werden.