Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Berufsausbildung | ZKF-Umfrage gibt Antwort, ob die Corona-Krise auch zu einer Ausbildungskrise wird

Am 05.06.2020 startete der ZKF eine Online-Umfrage, an der sich innerhalb von wenigen Tagen über 158 ZKF-Mitgliedsunternehmen beteiligt haben. Ziel der Befragung war es, eine Übersicht zum derzeitigen Stand von Ausbildungsverhältnissen zu erhalten und die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Berufsausbildung im Karosserie- und Fahrzeugbau zu erfahren.

Eine gute Nachricht für Bewerber ist, dass aktuell fast die Hälfte der teilnehmenden Ausbildungsbetriebe noch Ausbildungsplätze für das kommende Ausbildungsjahr frei haben. Dieses Ergebnis macht jedoch deutlich, dass sich die Corona-Krise stark auf den Abschluss von Ausbildungsverträgen ausgewirkt hat. „In der Regel sind im Juni eines Jahres bereits 85-90% aller Ausbildungsplätze vergeben“, berichtet Robert Ziegler als verantwortlicher Referatsleiter „Berufsbildung“ im ZKF.

Ein Grund dafür, dass bisher nur wenige Ausbildungsverträge geschlossen wurden, liegt auch darin begründet, dass es in diesem Jahr auffällig wenig Bewerber gab. Über 2/3 der Unternehmen gaben an, weniger Bewerbungen als die Jahre zuvor erhalten zu haben. „Diese Zahl ist erschreckend und lässt befürchten, dass im kommenden Ausbildungsjahr die Zahl der neuen Auszubildenden im Karosserie- und Fahrzeugbau-Handwerk deutlich abnehmen wird“, kommentiert Ziegler.

In der Umfrage hat eine Mehrheit der Ausbildungsbetriebe angegeben, für das kommende Ausbildungsjahr genauso viele oder sogar mehr Ausbildungsplätze im Vergleich zum vergangenen Jahr zur Verfügung zu stellen. Ein Viertel der Teilnehmer gab jedoch an, auf Grund der Corona-Pandemie für das nächste Ausbildungsjahr keine neuen Lehrverträge abschließen zu wollen. Thomas Aukamm, Hauptgeschäftsführer des ZKF zeigt sich besorgt: „Mit dieser Aussage wird deutlich, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie auch unsere Betriebe schwer getroffen haben und ein Viertel der Werkstätten aktuell nicht in Ausbildungsplätze investieren können.“

Die Krise hat nicht nur Auswirkungen auf neue Ausbildungsverträge, auch die aktuellen Auszubildenden spüren Auswirkungen durch die Corona-Pandemie. Viele „überbetriebliche Lehrlingsunterweisungen“ (ÜBL) mussten genauso verschoben oder gar abgesagt werden wie angesetzte Gesellenprüfungen. Die Kammern legen derzeit ihren Schwerpunkt auf die kurzfristige Durchführung der Abschluss- oder Gesellenprüfungen im Teil 2. Hier ist zu erfahren, dass die Abschluss- oder Gesellenprüfungen im Teil 1, die in der Regel ebenfalls im Sommer durchgeführt worden wären, teilweise in den Herbst verlegt worden sind.
 
Beantragte ein Betrieb in den vergangenen Wochen Kurzarbeit, so hat dies zu einem kleinen Teil auch die Auszubildenden getroffen. 11% der befragten Unternehmen gaben an, dass auch für ihre Auszubildenden Kurzarbeit beantragt wurde.

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels der vergangenen Jahre wurde die Frage zur Übernahme der ausgelernten jungen Menschen gestellt. In der Umfrage des ZKF gaben die Betriebe an, dass 44% der ausgelernten Auszubildenden nicht übernommen werden können. Diese Entwicklung kann nicht ausschließlich in einen Zusammenhang mit Corona gestellt werden, da nur ein kleiner Teil (14%) der Teilnehmer angegeben hat, dass in diesem Jahr weniger Jung-Gesellen übernommen werden als in den letzten Jahren. Diese Aussagen zeigen jedoch, dass einige Betriebe in diesem Jahr etwas zögerlicher und zurückhaltender bei der Aufstockung ihres Mitarbeiterstamms agieren, obwohl vor der Coronakrise der Fachkräftemangel als ein wesentliches Wachstumshindernis galt.

Fazit:
Die Corona-Krise hat die Berufsausbildung und die Situation der Auszubildenen und Ausbildungsbetriebe unmittelbar und deutlich getroffen. Wichtig für unsere Branche ist es, nun langfristig zu agieren und die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Auch wenn die aktuelle wirtschaftliche Situation schwierig ist, dürfen die Augen vor dem auch weiterhin existierenden Fachkräftemangel nicht geschlossen werden. Neben dem Zentralverband, der auf Ebene der Verbände und Kammern agiert, ist für diese Herausforderung auch der einzelne Betrieb gefordert, die richtigen Entscheidungen für die Zukunft unseres Handwerks zu treffen.

>Hier< finden Sie eine detaillierte Zusammenfassung zur Auswertung der Umfrage.