Einigung auf EU-Ebene zu CO2-Flottenzielen für Anhänger

Die im Januar diesen Jahres erzielte Einigung zwischen Parlament, Rat und Kommission zur CO2-Flottenregulierung für schwere Nutzfahrzeuge vergrößert den Kreis der betreffenden Fahrzeuggruppen und gibt den Herstellern hochgesteckte Zielvorgaben. Der Anwendungsbereich der Regelung betrifft nahezu alle neuen schweren Nutzfahrzeuge mit zertifizierten CO2-Emissionen gemäß VECTO – darunter auch kleinere Lkw ab 5 Tonnen, Stadtbusse, Reisebusse und Anhänger. Waren bisher nur schwere Lkw ≥ 7,5t (4x2, 6x2) in die Flottenreduktionszielen eingeschlossen, werden dies zukünftig auch mittelschere Lkw ≥ 5t (4x2, 6x2, 6x4, 8x4) sein. Weiterhin neu ist, dass ebenfalls Arbeitsfahrzeuge wie Müllwagen und Betonmischer ab 2035, sowie Stadt- und Fernbusse > 7,5 t betroffen sein werden. 

Emissionsreduktionsziele wurden auch für Hersteller von Anhängern und Sattelaufliegern festgelegt, die ab 2030 gelten sollen. 

Insbesondere im Fall der Anhänger befinden sich die Ziele im Grenzbereich der technisch realisierbaren Möglichkeiten. Besonders die zahlreichen kleinen und mittelständischen Unternehmen im Anhängerbau stehen hiermit vor der gewaltigen Herausforderung, die Reduktionsziele von 10 Prozent für Sattelauflieger und 7,5 Prozent für alle anderen Anhängerarten bis an den Rand des technisch Machbaren umzusetzen. 

Die Bedenken, Einwänden und Kompromissvorschläge durch die Verbände und Trailer-Hersteller sind in der Entscheidung der EU nur begrenzt in den Flottenzielwerten wiederzufinden. Das ursprünglich von der EU-Kommission angedachte Reduktionsziel von 15% für Sattelauflieger stand im Gegensatz zur Position des EU-Parlaments und der Deutschen Bundesregierung, die sich für 7,5 Prozent ausgesprochen haben. Die europäische Trailer-Industrie sah aus 5 Prozent als ein realistisches Ziel an. Einziger Wehmutstropfen für kleinere Hersteller ist, dass es keine Flottenziele für Produzenten geben soll, die weniger als 100 Einheiten pro Jahr herstellen. Die Kommission behält sich die Prüfung vor, zukünftig auch kleinere Lkw unter 5 Tonnen in den Anwendungsbereich einzubeziehen.

Die neuen Emissionsreduktionsziele sind im Einzelnen:

Zielwerte für Lkw ≥ 5t:
Ab 2025 (-15%), ab 2030 (-45%), ab 2035 (-65%) und ab 2040 (-90%)

Zielwerte für Anhänger:
-7,5% für Zentralachs- und Deichselanhänger 
-10% für Sattelanhänger, jeweils ab 2030

Ziel für Stadtbusse:
-100% für Stadtbusse ab 2035 mit einem Zwischenziel von -90% ab 2030

Ziel für Reisebusse:
-43% für Reisebusse > 7,5 t ab 2030

Ausgenommen sind nur noch: 

  • Kleinserienhersteller
  • Fahrzeuge für den Einsatz bei Militär und Feuerwehr, Fahrzeuge für den Bergbau, die Forstwirtschaft und die Landwirtschaft
  • Fahrzeuge für den Einsatz im Katastrophenschutz, der öffentlichen Ordnung und der medizinischen Versorgung

Die EU-Kommission plant die Wirksamkeit und Auswirkung der geänderten Verordnung auf die oben genannten Ziele im Jahr 2027 zu überprüften. 

Hierbei soll die Methodik für die Bewertung und Berichterstattung über die CO2-Emissionen neuer schwerer Nutzfahrzeuge über den gesamten Lebenszyklus und eine Bewertung der Rolle eines CO2-Korrekturfaktors (CCF) sowie die Methodik für die Registrierung schwerer Nutzfahrzeuge, die ausschließlich mit CO2-neutralen Kraftstoffen betrieben werden, geprüft werden. (DC)