ZKF-Branchentreff 2024 | NEUER ZKF-PRÄSIDENT, ZUKUNFTSTHEMEN UND GEBALLTES FACHWISSEN

Der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) veranstaltete vom 13. bis 15. Juni 2024 mit über 350 Besuchern sein größtes Event des Jahres rund um die Bereiche Karosserie, Lack und Fahrzeugbau. Im Mittelpunkt des ZKF-Branchentreffs in der Rhein-Mosel-Halle Koblenz stand der erstmalige Auftritt des neuen ZKF-Präsidenten Arndt Hürter mit seiner Grundsatzrede, der Zukunftsthemen und die neue Ausrichtung des ZKF präsentierte.

Auftakt der Veranstaltung am Donnerstagabend war ein gemeinsames Get-together mit den Teilnehmern auf dem Ausflugsschiff „Stadt Vallendar“ auf dem Rhein. ZKF-Präsident Arndt Hürter begrüßte erstmalig gemeinsam mit Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm die Teilnehmer auf der Fahrt mit Blick auf die imposante Kulisse des Deutschen Ecks.

Am folgenden Morgen wurde nicht nur die Fachausstellungen eröffnet, sondern auch das Pkw- und Nutzfahrzeug-Symposium mit interessanten Workshops, Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen rund um das Karosserie- und Lack-Geschäft sowie den Fahrzeugbau. Neu war ein ZKF-Scheckheft, in dem die Aussteller Sonderangebote, Messerabatte und Gewinnspiele den Teilnehmern des ZKF-Branchentreffs 2024 exklusiv anboten. Ein attraktives Programm für die Begleitungen der Teilnehmer in Koblenz mit Stadtführung und Besuch der Festung Ehrenbreitstein rundete das ZKF-Angebot ab. Aber auch für die „kleinsten Besucher“ hatte der ZKF gesorgt: Am Freitag wurde eine professionelle Kinderbetreuung angeboten.

PKW- UND NFZ-SYMPOSIUM MIT ATTRAKTIVEN THEMEN UND KONKRETEN LÖSUNGEN
Das Nutzfahrzeug-Symposium unter der Leitung von ZKF-Vizepräsident Claus Evels begann mit der Keynote: Der individuelle Fahrzeugbau und seine Zukunft. Die anschließenden Vorträge gingen auf aktuelle Herausforderungen und Themen der Aufbauhersteller ein wie beispielsweise Umsetzung der GSR II, Auswirkungen der ECE-R 155 (Cyber Security) auf die Aufbauhersteller, Neuigkeiten zur Zulassung Einzelgenehmigungsverfahren, CO2-Nachweis für Anhänger, Erstattung der Stromsteuer für produzierendes Gewerbe und die Handlungsmöglichkeit bei der Lieferung fehlerhafter Bauteile.

Im Pkw-Symposium moderierte ZKF-Präsident Arndt Hürter gemeinsam mit ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm zu aktuellen Themen wie z. B. SERMA und Pkw Cyber-Security, Vorschadenfalle, Umgang mit Fahrerassistenzsystemen in der Unfallinstandsetzung - Schadendiagnose und Quarantäne von HV-Fahrzeugen, aber auch technische Neuerungen wie z. B. die Unfallinstandsetzung und FAS-Kalibrierung anhand des Fahrzeugherstellers NIO.

Podiumsdiskussion mit Schadensteuerern: Reparaturbranche fordert mittleren DEKRA-StundenverrechnungssatzEin Höhepunkt war die Podiumsdiskussion innerhalb des Pkw-Workshops. Die Teilnehmer wurden über “Kooperatives Schadenmanagement” und wie sich die anwesenden Top-Schadensteuerer voneinander unterscheiden, informiert. Die Schadenchefs der HUK, der Innovation Group und SPN präsentierten ihr Konzept und beantworteten kritische Fragen im Rahmen einer moderierten offenen Podiumsdiskussion.

Die Beiträge aus dem Publikum machten schnell klar, dass die Reparaturbranche mindestens den mittleren DEKRA-Stundenverrechnungssatz benötigt, um kostendeckend arbeiten zu können und dringend benötigtes Personal zu halten. Bei der HUK lobten die anwesenden Betriebe einerseits die schlanken und gut funktionierenden Prozesse, andererseits forderte man, endlich neben dem Lackierstundensatz auch das Lackmaterial separat berechnen zu können, da die überproportional gestiegenen Lackpreise nicht durch den gegebenen Stundensatz abgedeckt werden können. An der Innovation Group kritisierte man insbesondere die teilweise komplizierten und langwierigen Wege bis zur endgültigen Reparaturfreigabe. Ebenso wurden nachfolgende Rechnungskürzungen bemängelt, obwohl die Kostenhöhe bereits zuvor von dem Schadensteuerer freigegeben wurde.

Zusammenfassend forderten die Teilnehmer auskömmliche Stundensätze, damit die Betriebe den steigenden technologischen Anforderungen gerecht werden, ihre Fachkräfte halten und eine Perspektive bieten können. Um die immer knapper werdende Liquidität in den Betrieben zu verbessern, benötigen die Betriebe bei Reparaturfreigabe zudem mindestens Abschlagzahlungen, um den immer höher werden Kostenanteil beim Teileeinkauf finanzieren zu können. Werkstätten dürfen zudem nicht die Leidtragenden des Wettbewerbs der Versicherer bei der Erzeugung niedriger Versicherungsprämien sein. Ebenso kritisch betrachtet man die allgemeinen Rahmenbedingungen wie zum Beispiel die Notwendigkeit unterschiedlicher Schadenportale, kostenfreie Ersatzmobilität oder auch die Direktkundenregelung.

Am Abend traf sich die Branche im Weindorf unweit vom Deutschen Eck direkt am Rhein, um gemeinsam gemütliche Stunden in stilvoller Atmosphäre zu verbringen und das kollegiale Gespräch zu vertiefen sowie sich miteinander zu vernetzen.

BRANCHENKONGRESS: ERSTE GRUNDSATZREDE ZKF-PRÄSIDENT UND EINE VIELZAHL VON IMPULSEN FÜR DIE ZUKUNFT
Am Samstagvormittag zeigte der im April in der Mitgliederversammlung neu gewählte ZKF-Präsident Arndt Hürter in seiner Grundsatzrede die Neuausrichtung des ZKF für eine gezieltere Ansprache der jüngeren Betriebsinhaber und die daraus geplanten Kernaufgaben der Branche auf.

„Wir werden den ZKF in den kommenden Monaten „modifizieren“ und dabei ein Programm von wichtigen Maßnahmen entwickeln, was dem stattfindenden Wandel in der Gesellschaft und unserer Innungsstruktur folgt“, so Hürter. „Es muss ein ganz neues Interesse an der Verbandsarbeit und den Verbandsvorteilen für den einzelnen Betrieb entstehen, sodass eine verjüngte und verbesserte Struktur im Verband den Anforderungen der Mitglieder gerecht wird“. Für die Reparatur in den führenden reparierenden Fachbetrieben ergeben sich nach Hürters Meinung neue Chancen, insbesondere auch im Schadenmanagement. An den Top-Betrieben wird es „keinen Weg vorbei geben“, was neue Verhandlungspositionen eröffnet und Betriebe, die wirtschaftlich und innovativ aufgestellt sind, stärken wird.

Aber auch im Neubau und der Reparatur von Nutzfahrzeugen stehen Veränderungen bevor, insbesondere bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen auf nationaler und europäischer Ebene. Hierzu merkte der ZKF-Präsident an: „Wichtig im Nutzfahrzeugbereich ist die gute Zusammenarbeit mit den Verbänden und Institutionen, wie z. B. ZDK und VDA, dies zeigt sich in Diskussionen um zukünftige Entwicklungen.“

Anschließend referierte RA Henning Hamann, Geschäftsführer der Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH über den Bereich „Rechtssicher Kaskokürzungen vermeiden“ und zeigte den Teilnehmern auf, welche Grundlagen der jeweiligen Reparatur im Vertragsrecht zugrunde liegen und wie Betriebe Kürzungen bei Kasko-Regulierungen verhindern können, insbesondere auch im Bereich der Kasko-Schäden an Elektrofahrzeugen.

Im Impulsvortrag überzeugte die Nachwuchsförderin der Agentur MMP Marketing mit Pfeffer, Nicole M. Pfeffer, die Teilnehmer, dass der Nachwuchs im Handwerk nicht nur allein mit Social Media gewonnen wird, sondern es wichtig zu wissen ist, wie die Next Generation nachhaltig und langfristig für die Branche und das Unternehmen begeistert werden kann, auch mit Nutzung der sogenannten „Dopamin-Spritze“.

AUSZEICHNUNG DER BESTEN DES LEISTUNGSWETTBEWERBS „GERMAN CRAFT SKILLS“
Auch standen Auszeichnungen innerhalb des Branchenkongresses am Samstag auf dem Programm: Die besten Teilnehmer im Ausbildungsberuf „Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/in im Leistungswettbewerb“ „Deutsche Meisterschaft im Handwerk – German Craft Skills“, die aus dem gesamten Bundesgebiet nach Koblenz anreisten, wurden mit Preisen ausgezeichnet. Der ZKF gratulierte allen Siegern herzlich und dankte den Firmen: Carbon GmbH, Mirka GmbH, Stiftung des Deutschen Stellmacher- und Karosseriebauerhandwerks, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG und WS Wieländer und Schill GmbH & Co. KG für die finanzielle Unterstützung sowie die Unterstützung mit hochwertigen Sachpreisen.

Abschließend informierte Dr. Neofitos Arathymos über die fortschreitende Digitalisierung des Fahrzeuges und der Werkstatt der Zukunft. Derzeit befinden sich die Werkstätten des Karosserie- und Fahrzeugbaus in einem umfassenden und grundlegenden Wandel durch autonomes Fahren, Elektromobilität, Fachkräftesicherung und daraus folgende Konzentrationsprozesse. Er gab einen Ausblick in die Zukunft und empfahl Lösungsansätze.

AUSZEICHNUNGEN FÜR DAS EHRENAMT
Überraschung am Samstag für den ehemaligen ZKF-Präsident Peter Börner, der von Arndt Hürter die goldene ZKF-Ehrennadel mit zwei Brillanten für seine ganz besonderen Verdienste rund um den ZKF erhielt und in Koblenz zum ZKF-Ehrenpräsidenten ernannt wurde. Ein besonderes Geschenk wurde ihm überreicht: Ein Flug in einem Hochgeschwindigkeits-Jet.
Eine weitere Überraschung folgte mit der Ernennung zum Ehrenmitglied im BVSK e. V. durch den Schatzmeister Georg Schwadorf.

Mit der goldenen Ehrennadel des ZKF wurde zudem Markus Ehmann aus Mörlenbach ausgezeichnet. Für sein jahrzehntelanges Engagement für das Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk in zahlreichen Positionen, u. a. als Obermeister der Karosserie- und Fahrzeugbau-Innung Südhessen und Ausschussvorsitzender des ZKF-Ausschusses „Instandhaltung und Fahrzeugtechnik“ dankte ihm der gesamte ZKF-Vorstand.

DANK AN DIE SPONSOREN DES BRANCHENTREFFS
Besonderer Dank gilt dem Hauptsponsor Carlofon GmbH sowie der Robert Bosch GmbH, DEKRA Automobil GmbH, Fahrzeug + Karosserie (Vogel Communications Group GmbH & Co. KG) für die großzügige Unterstützung der Veranstaltung. (TA)

Bilder und Video vom ZKF-Branchentreff 2024 in Koblenz finden Sie >hier<.